Oder: Wie Konne Oli Feuer unterm Hintern machte
Es war Freitag - der dreißigste! Nicht dreizehnte, jedoch hatte das Unglück es voll auf uns abgesehen. Das verlängerte Wochenende und der güldene Herbsttag luden ein zu ein paar schönen Tagen in den Bergen..Dementsprechend voll war die Autobahn. So machten wir vier (Konne, Oli, Jo und ich) uns auf, um mit Sabine und 2 Freunden in Balderschwang (Bregenzer Wald) auf ihrer Hütte noch einmal richtig auszuspannen und die frische Bergluft zu schnuppern.
Vollgetankt und frisch beladen mit 2 Kästen Bier, etlichen Zeitschriften, Schleck, Pringles, einem Kuchen und Marmelade von Jos Mutter begannen wir unseren Trip - der letzte für Konnes Busle...
Bis Stuttgart auf der A8 lief alles gut. Wir verstauten unsere Einkäufe hinter den Sitzen. Konnes Geldbeutel chillte mit meinem MP3 Player in der Mittelkonsole - und Oli auf dem Beifahrersitz, unter dem sich der Motor des alten MITSUBISHI versteckte. Als ich mich gerade an den Bildern meiner neuen Snowboardzeitschrift ergötzte, wollte Jo mich auf einen Gestank verbunden mit Qualm aufmerksam machen, von Olis Sitz aus kommend. Zuerst dachte ich er wollte eines dieser kindischen Spielchen mit mir treiben, bei denen man wo ganz anders hinzeigt und währenddessen unbemerkt die Pommes des Opfers futtert. Da ich jedoch weder Pommes noch Schleck zur Hand hatte, nahm ich Jo nach kurzer Zeit ernst und bestätigte den Geruch. Ein paar Sekunden später entschied Konne sich, vorsichtshalber auf den Seitenstreifen abzubbiegen, hielt an, zog die Handbremse und machte den Motor aus. Da ich kürzlich in Australien beim Versuch, einen Camper mit 2Rad-Antrieb aus dem Sand zu fahren die Kupplung schleifen ließ, vermutete ich zuerst, Konne hätte die Handbremse während der Fahrt angezogen gehabt, oder etwas anderes sei überhitzt oder durchgeschmort.
Konne "lüftete das Geheimnis" schnell, indem er Olis Sitz hochklappte. Flammen züngelten uns entgegen - der Motor brannte wie ein lagerfeuer! Zack - Konne klappte den Sitz wieder runter nach dem Motto "mit dem Problem möchte ich nichts zu tun haben!". Panik brach aus. Was nun? Bei mir trat dieses besondere Gefühl auf, dass man bekommt, wenn man realisiert, dass man sich in einer Lage befindet, die ein derartig großes Problem erzeugt, das man nicht einfach so in den nächsten 5 Minuten lösen kann. Sprich: wir sind vorerst am Arsch. Dieses Gefühl trat bei mir ein, als ich das Lagerfeuer in Konnes Motor sah. Gegen später wuchs dieses Gefühl an.
Der erste Versuch, das Feuer zu ersticken - Konne mißbrauchte seinen Pulli - zeigte keine Wirkung, also orderte er uns, alles aus dem Bus zu retten und in guter Entfernung auf einen Haufen zu setzen. Währenddessen versuchte Konne von vorbeifahrenden LKW-Fahrern einen Feuerlöscher auszuleihen, doch niemand hielt an. Inzwischen war der Rauch so stark geworden, dass wir unser restliches Hab und Gut nicht mehr retten konnten! Meine beiden Jacken gingen in Flammen auf, zusammen mit 5 Skihütten-Katalogen vom Jan, 3 Zeitschriften, Jos Wanderschuhen, Konnes Siggflasche, Olis Orginal-CDs und allem Essbarem.
Da die Handbremse wohl einschmolz, setzte sich der brennende Karren in Bewegung. Nun war alles zu spät. Wir hatten schon alles getan, was in unserer Macht stand. Ich hatte die Polizei gerufen, Konne an der Notrufsäule die Feuerwehr. Das Warndreieck stand, den Brand konnten wir nicht löschen. Zum Glück lenkte das Fahrzeug nach rechts und blieb an der Leitplanke hängen.
Wie im Film standen wir 4 Jungs vor einem lichterloh brennenden Busle. Hinter uns ein 6 km langer Stau. Alle drei Spuren wurden mind. 25 Minuten lang abgesperrt. Eine riesige, dunkle Rauchwolke zog über die A8 an der Ausfahrt Echterdingen - wir waren im Radio. Hilflos standen wir vor einer Kulisse, die von vielen Gaffern im Stau mit etlichen Digitalkameras aufgenommen wurde. Selbst die Polizei und Feuerwehrmänner machten Fotos.
Aus dem ersten Fahrzeug der Feuerwehr sprangen zwei Männer, bewaffnet mit Feuerlöschern, die nach kurzer Zeit den Kampf gegen das Feuer aufgeben mussten.
Zwei weitere Löschfahrzeuge rückten an der Ausfahrt Echterdingen an. Mehrere Männer rollten den Schlauch 50 Meter weit aus und begannen den Brand mit Wasser zu bekämpfen. Als die Flammen noch weiter züngelten, kamen auf unserer Spur Löschfahrzeug Nr. 4 und 5, um mit Schaum die Flammen zu stoppen.
Uns bot sich ein Blick, den man nur aus dem Fernsehen kennt. Allein am Nummernschild konnte man den MITSUBISHI noch erkennen. Mit einem Brecheisen dauerte es 5 min. bis die Fahrertür geöffnet werden konnte. Das Innere war ein Gemisch aus Asche und zerschmolzenem Plastik.
Dank Herr Zimmer hatten wir eine sichere Heimreise mit kurzem Zwischenstopp beim Abschleppdienst, wo wir das Innere des Wracks genauer betrachteten und Konne seinen 10fach CD-Wechsler rausriss (alle CDs darin funktionieren noch!).
Und nun zu den Gegenständen, die den Brand so überlebten, dass man sie noch erkennen kann:
Da wären zuerst Jos Wanderschuhe, die hier und da angekokelt sind, jedoch nicht mehr zu gebrauchen. Im Schaft einer dieser befand sich Marmelade im Glas, die wir später auf der Hütte zum Frühstück genossen. Konnes Siggflasche war nicht mehr rot sondern schwarz. Konnes Geldbeutel war an einer Seite angebrannt und so auch all seine Karten darin. Daneben im Fach lag mein MP3-Player. Auf den ersten Blick sah er aus wie eine Bratwurst, die man nicht mehr essen sollte. Mit Spannung drückte ich den Power-Button. Nichts. Schade, dachte ich mir.
Tage später, als wir alle Fotos von dem Wochenende am PC anschauten, wechselte ich die Batterie von meinem MP3-Player und traute meinen Augen und Ohren nicht: Er sprang an, wie gewöhnlich, die Musik klang wie immer!
Das Feuer hatte wohl nur den Schutzstecker für den USB-Stick direkt erreicht. Der Rest ist nun nicht mehr silbern sondern weiß und gelb. Und mit etwas Spiritus sieht er auch ganz interessant aus! Glück im Pech..
Posted by Moritz Fanti
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12:58
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