Meine erste Woche in Parma

Es geht mir gut. Ich habe endlich einen festen Wohnsitz gefunden, über den ich mich nicht im geringsten beklagen kann. Außer dass wir kein Internet haben. Wobei ich diesen „Schicksalsschlag“ begrüße, da es hier einiges zu erleben gibt. Neue Leute kennenlernen, die Stadt, das Alltagsleben, die Uni...

Nach der 9stündigen Zugfahrt bin ich heil in Parma angekommen. Es war schön der Landschaft dabei zuzusehen, wie sie vom Schwäbischen langsam ins Italienische überging. Kann ich nur weiterempfehlen! Wenn man mit dem CIS Alpino durch die Schweiz fährt, kommt man an sagenhaften Orten vorbei.
In Parma wurde ich von Beatrice abgeholt. Sie ist eine Woche vor mir nach Parma gefahren und sich schon eine Bleibe bei einer italienischen Gastfamilie besorgt. Dort konnte ich die ersten zwei Nächte schlafen. Es war nicht gerade ein Kinderspiel, eine Wohnung für 9 Monate zu finden. Über das Internet habe ich zuerst eine 4er WG gefunden. Als ich am zweiten Tag vorbeiging, erwies sich die Suche als ein Volltreffer. Ich würde mit drei Italienern zusammenwohnen (alles Medizinstudenten), die letztes Jahr schon einen deutschen Erasmus-Studenten hatten. Alles sehr nette, sympathische Zeitgenossen. Nachdem wir uns eine Weile unterhalten hatten, fragten sie mich, ob ich hier wohnen wollen würde. Da meine Ansprüche sowieso nicht sehr hoch waren und die Wohnung eine Top Lage hatte, zögerte ich nicht lange. Mit einem Handschlag begrüßten die beiden mich in ihrer WG. Geil! Dachte ich mir..
Einen Tag hier gewesen und schon eine top Wohnung gefunden! Als ich dann abends bei Beatrices Gastfamilie beim Abendessen war, kam ein Anruf von Gianluca (einer der Medizinstudenten): ihr Vermieter wollte mich nur für 12 Monate einziehen lassen. Basta cosi! Gianluca und Emanuele tat es so leid, dass sie mir aber gleich am nächsten Tag bei einem guten Freund, Demetrio (auch Medizinstudent), ein Zimmer besorgten. Gut, dachte ich mir. Jetz frag ich ihn gleich, ob ich für 9 Monate bleiben kann: jupp, ginge alles klar, kein Problem für ihn....
Als ich dann nach Sonntagmorgen, nach einer durchzechten Nacht in Bologna mit vielen anderen Erasmusstudenten und ein paar Stunden Schlaf, die Wohnung besichtigen und einziehen wollte, kam auch diesmal die Frage: „kannst du für 12 Monate bleiben?“ Da war ich baff. Jetzt wusste ich überhaupt nicht mehr, was ich von alldem halten sollte. Dann wurden wilde Pläne geschmiedet. Man muss dazu wissen, dass Demetrios Mutter (Mathe-Lehrerin in Pension) die 3er WG vermietet und am Abend vorher mit Demetrio telefoniert hatte. Sie wollte also auch alles nur für 12 Monate abschließen. Also rief er sie an, erklärte ihr die Lage und meinte danach, dass sie mich zuerst kennenlernen wollte.
Abends haben wir uns dann alle getroffen. Es war fast wie im Film. Gianluca und Demetrios Mitbewohner Luca haben mich gewarnt: an dieser Person (Demetrios Mutter) kommt keiner so einfach vorbei. Und so war es auch. Als ich zur Tür reinkam, sprintete sie sofort auf mich zu, gab mir kurz die Hand ohne sich vorzustellen und warf sofort in die Runde: „Also, soweit ich wusste, sollte jemand für 12 monate einziehen. Wenn das nicht so ist, tut es mir leid!“ OK, dachte ich, lass dich nicht einschüchtern. Vielleicht steckt hinter der eisernen Fassade ein ganz normaler Mensch. Ich kann nicht mehr genau wiedergeben, wie wir es geschafft haben, seine Mutter zu überzeugen, aber plötzlich saß ich ihr gegenüber und wir setzten einen handschriftlichen Vertrag auf Italienisch auf, in dem ich mich verpflichtete für 9 Monate zu bezahlen. Nachdem wir beide unterschrieben hatten, ging alles wieder recht schnell. Wir gingen zur Tür und als ich mich umdrehte, hörte ich einen großen Knall: die eiserne Fassade. Sie war gefallen. Und zum Vorschein kam eine nette, italienische Mama, die mich tätschelte und sagte: „Bravo Moritz! Bravo! Das hast du gut gemacht! Aber du musst beim Putzen auch helfen ok?“
Gut, dachte ich mir, soetwas erlebt man nicht alle Tage..

Seitdem habe ich endlich den Kopf frei, um mich auf die Uni einzustellen. Achja, mein Zimmer hat 20 qm, das Bett selber fast 2 qm und ich wohne 1 Minute vom Baseballstadion entfernt, 3 Minuten von der Uni und 5 Minuten vom Centro. Meine beiden Mitbewohner heißen Luca (21, aus Puglia, studiert Radiologie) und natürlich Demetrio (23, zwei Tage jünger als ich, aus Griechenland, spricht beides fließend und studiert Medizin). Ich bin hier also bestens versorgt, egal ob ich auf der Straße oder in einem Atomkraftwerk ausrutsche.

Alora, es ist jetzt spät genug, und ich hoffe, dass ich die Email morgen abschicken kann, nachdem ich meinen Literaturkurs um 8:30 absolviert haben werde.

Rückblickend kann ich nur sagen: mein Deutsch wird (offensichtlich) immer schlechter und mein Italienisch umso besser! Das Tolle an Parma ist, dass man in der Innenstadt (besonders am Piazza della Pace) fast immer jemanden trifft, den man kennt. Ist wie in Passau. Außerdem kommt man überall mit dem Fahrrad hin, aber die Story mit dem Bici-man kommt dann als nächstes.....

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