Monat 1 von 9 in Parma


Die ersten vier Wochen

Mir geht es soweit wirklich gut und mit meinen Mitbewohnern verstehe ich mich prächtig. Sie sind beide Italiener, der eine aus Puglien und der andere wurde zwar in Norditalien geboren, sein vater stammt aber aus Griechenland. Ab und an wirft er mir ein paar deutsche Sätze entgegen wie "gute Nacht" oder "Mein Vater iste Kinderdoktore" und außerdem spricht er noch fließend griechisch.
Seit fast 3 Wochen wohne ich jetzt bei den beiden in einer 3er WG. Seitdem ich den "Vertrag" unterschrieben habe, steht auch schon fest, dass ich 2 Semester hier bleibe. Das Zimmer habe ich bis Ende Juni/Juli. Es ist riesig (20 qm) und komplett mit IKEA möbeln eingerichtet. Das lustige ist, dass sie die Wohnung extrem sauber halten! Es liegt fast nie irgendetwas rum und wenn man gerade mal erkennen kann, dass das Bad ein bißchen Schmutz abbekommen hat heißt es: wir müssen die Wohnung putzen - denn sie ist schmutzig! :-) Hätte nie gedacht, dass ich als deutscher den italienern je zeigen müsse, wie man unordentlich wohnt, um mehr Lebensqualität zu haben!
Die Wohnung liegt extrem geschickt oberhalb vom großen Parco Ducale, wo die meisten meiner vorlesungen stattfinden. Seitdem ich ein fahrrad habe (wie fast jeder hier in Parma) kann ich alles in 5 min erreichen: Supermarkt (1 min), Park mit Internet (2 min), Uni (4 min), Zentrum wo das leben tobt (5 min) und die disco-straße (10-15 min).
Wie ich an dieses Prachtstück von Wohnung gekommen bin, habe ich ja bereits vorher geschrieben.

Inzwischen kehrt so langsam eine "gewisse" Ordnung in meinen tag und ich kann in den Kunstgeschichte-vorlesungen etwas mehr mitschreiben als nur das datum und den titel der VL... erschreckend: ein mal waren es 6 seiten..
Leider habe ich in 10 tagen auch schon meine erste klausur - mündlich. Und obwohl ich ja noch gerne die letzten sonnentage anders auskosten wollen würde, muss ich mich so langsam meinen Mitbewohnern anpassen und in die biblioteca zum lernen gehen. Dort gibt es übrigens einen aufpasser, der leute zusammenscheißt, wenn sie reden!
Und sowieso ist es hier in der uni völlig anders, sehr überraschend: die sonst so redefreudigen Italiener halten während einer Vorlesung (egal wie groß) ihren Mund! sobald jemand anfängt mit seinem nachbar zu reden (was meisten wir erasmen sind), hört man es im ganzen raum...

Ich glaube so langsam weiß ich eine kleine Uni-Stadt zu schätzen: hier trifft man oft seine leute wieder, gerade auf der Piazza (della Pace oder garibaldi). Ich lerne dauernd neue und viele nette Italiener (und italienerinnen :-) ) kennen, gerade durch meine mitbewohner.

Was mich auch total fasziniert hier ist die Leidenschaft zum gemeinsamen Abendessen. Mittwochs und am Wochenende gibt es hier in der Via Farini einige Bars wo man umsonst beim Buffet sich den bauch vollschlagen kann - mit allen möglichen köstlichkeiten. AUßerdem isst man nicht einfach nur so zu abend, sondern trinkt währenddessen und danach noch ein paar gläschen wein und geht evtl anschließend noch tanzen. Im restaurant kostet das ganze zwar dann ein bißchen was (10-20 euro), aber dafür bekommt man ein typische 3gänge-menu: Primi Piatti (verschiedene pastasorten), dann Secondi Piatti (Fleisch, Fisch, oder aufschnitt (Mortadella, Parmaschinken, Kochschinken, Salami...) und zum schluss dolci (Sorbetto, kuchen...). Für sowas gebe ich in letzter Zeit ziemlich viel aus. In Deutschland habe ich bisher dabei immer ziemlich aufs geld geachtet. Hier tut man das nicht so. Das Essen hat einen viel höheren Stellenwert und irgendwie behagt mir dieser Gedanke. Dafür gibt man zum Beispiel viel weniger für andere dinge aus (Auto, Wohngegenstände, usw..). Gerade das zugfahren ist spottbillig! Letztes Wochenende sind wir 2 mal ins cinque terre nach Riomaggiore gefahren, zum baden, und haben pro fahrt nur 7 euro gezahlt! in 3 h vom Parma direkt ans meer. In Deutschland so undenkbar..

Was ich unbedingt noch loswerden möchte: wer den Film "L'auberge espagnole" kennt: seit meiner Ankunft in Parma fühle ich mich immer wieder wie in diesem Film! ich hätte es nie gedacht, aber es gibt so viele Sequenzen, die man hier eins zu eins wiederfindet. Ein bißchen komisch..
Es ist aber manchmal auch ganz angenehm, weil meine Erfahrungen aus meinem Jahr in den USA viel dabei helfen, neue leute kennenzulernen. Und zwar nicht nur oberflächlich, sondern tiefergehend. Ich bin schon froh, dass ich so oft unter Italienern sein kann. Gestern abend haben mich meine Mitbewohner nach salsomaggiore (wo die miss italien wahl stattfand) mitgenommen: auf ein Konzert einer Jazz-gruppe aus Puglien (Süditalien, der "Absatz"). Ein wirklicher Geheimtipp!

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